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Teilnehmer beim Workshop

Einladung zum Workshop „Färben mit Naturfarben“
Die Kräuterterrassen in 73667 Kaisersbach, Gartenstraße 9, laden recht herzlich zu folgender Veranstaltung ein:

Sonntag, 14. Juli 2024 um 14 Uhr
Workshop und Theorie mit Rundgang zum Thema „Färben mit Naturfarben“
geleitet von der Biologin Daniela Märtens

Frau Märtens informiert die Teilnehmer im theoretischen Teil über Naturfarbstoffe und Färberpflanzen und gibt einen historischen Abriss über die Tradition des Färberhandwerks bzw. historische Färberpflanzen. Im praktischen Teil, dem Workshop, können verschiedene Techniken ausprobiert werden.

Farbe ist das Leben, denn eine Welt ohne Farben erscheint wie tot. Das Wesen der Farbe ist ein traumhaftes Klingen, ein Musik gewordenes Licht.“ (Johannes Itten: Кunst der Farbe)

Seit Jahrtausenden nutzen Menschen aus natürlichen Rohstoffen gewonnene Farben. Der älteste Beleg für die Verwendung von Ockerfarben wurde in einer Höhle in Südafrika entdeckt: Es handelt sich um ein Steinfragment mit abstraktem Ocker-Muster. Als ältester Fund prähistorischer Kunst gilt eine 45.000 Jahre alte Höhlenmalerei aus Indonesien, welche ein Warzenschwein zeigt. Seither verwenden Menschen aus Erde, Mineralien und Pflanzen gewonnene Farbstoffe. Diese wurden unter anderem für Körperbemalungen, Höhlenmalereien, das Verzieren von Gebrauchsgegenständen sowie Grabbeigaben genutzt und das Färben von Textilien genutzt.

In der Antike gewannen Pflanzenfarbstoffe eine große Bedeutung. Die Nutzung von Pflanzen zur Färbung von Textilien, später auch zur Herstellung von Tinten und Farben für die Kolorierung von Büchern und Handschriften, spielte zu dieser Zeit eine so wichtige Rolle, dass gezielt sogenannte Färberpflanzen angebaut wurden. Als älteste bekannte Pflanzenfarbstoffe gelten Krapp oder

Färberröte (Rubia tinctorum) und Indigo (gewonnen aus Färberwaid, Isatis tinctoria, und dem Indigostrauch, Indigofera tinctoria). Auch Färberwau (Reseda luteola), Färberdistel (Carthamus tinctorius) und die Färberkamille (Anthemis tinctoria) sind historische Naturfarben.

Farbe symbolisierte Macht und Reichtum. Färber waren Lohnarbeiter der Tuchmacher. Das Färben war ein schmutziges, übelriechendes Handwerk, daher galten sie häufig als unrein. Erst im Spätmittelalter bildeten sich Färberzünfte. Das Wissen und die streng gehüteten Geheimnisse der Farbrezepte war ausschließlich den Meistern vorbehalten und ist somit durch die rasante Entwicklung von synthetischen Farbstoffen im 19. Jhd. größtenteils verloren gegangen.

Der erste synthetische Farbstoff Mauvein wurde 1856 von William Perkin zufällig bei einem Experiment entdeckt. Kurz darauf gründete dieser die erste Farbenfabrik, um den Farbstoff in großer Menge herzustellen. Dies revolutionierte sowohl Farbherstellung als auch Textilmanufaktur und legte zeitgleich den Grundstein für einen neuen Industriezweig, die chemische Industrie. In den darauffolgenden Jahrzehnten gewann die industrielle Herstellung synthetischer Farbstoffe an immer größerer Bedeutung, da diese sowohl kostengünstiger als auch schneller produziert werden konnten. Auch einst aus natürlichen Farbstoffen gewonnene Farben wie Indigo werden seither aus Kostengründen meist industriell hergestellt. Traditionelle Farbherstellungs- und Färbetechniken, auch Nutzen und Anbau von Färberpflanzen, gerieten so, in einer sich immer stärker industrialisierenden, globalisierenden und auf Massenkonsum ausgerichteten Welt, in Vergessenheit.

Es gibt weltweit ca. 1200 Färberpflanzen, die wenigsten davon sind giftig. Man unterteilt die mehr als 150 in Europa vorkommenden Pflanzenarten, die sich zum Färben eignen, in Wildpflanzen (z.B. Johanniskraut, Malve, Schafgarbe, Löwenzahn, Kamille), Gemüse (Zwiebeln, Rotkohl, Rote Beete, Spinat), Früchte (viele Beeren, aber auch Pilze), Wurzeln (Rhabarber, Kurkuma, Krapp),

Sträucher (Efeu, Berberitze, Indigo) und Hölzer bzw. Rinden (Apfelbaum-, Birkenrinde, Blauholz, Weißdorn).

Die Farben der Natur sind vielschichtig, z. T. blasser als gewohnt und nicht einzeln isoliert, wie unsere heutigen synthetischen Farben, die zwar lichtechter und beständig sind, aber eben nicht, wie natürliche Farben aus Farbstoffgemischen bestehen.

Der Workshop will das Wissen über das Färben mit Pflanzen praktisch vermitteln bzw. theoretisch im Vortrag auffrischen. Die Biologin zeigt traditionelle Färberpflanzen und informiert über die Weiterverarbeitung.

Frau Märtens arbeitet im Workshop mit verschiedenen Färberpflanzen, so können z. B. Tinten hergestellt werden. Besonders interessant ist die Herstellung von schwarzer Tinte mit Eichengallen. Es besteht auch die Möglichkeit, einen Stoff oder ein kleines Kleidungsstück zu färben. Der Stoff oder das Kleidungsstück ist von den Teilnehmern mitzubringen. Geeignet dazu sind ausschließlich Naturfasern tierischen (Wolle, Seide) oder pflanzlichen (Leinen, Hanf, Flachs, Nesseln, Baumwolle) Ursprungs ohne Behandlung, aus dem man noch ein Kleidungsstück o.ä. nähen möchte. Darüber hinaus sollen die Teilnehmer 1 Paar Handschuhe und ältere Kleidung mitbringen.

Der Workshop dauert ca. 2 Stunden. Die max. Teilnehmerzahl beträgt 16 Personen. Deshalb bitten wir um eine Anmeldung
per E-Mail unter Adventure-Weasel@t-online.de bis spätestens Freitag 12. Juli 2024 um 17 Uhr.

Der Kostenbeitrag beträgt 8 € pro Teilnehmer (bitte in bar vor Ort bezahlen). Kinder unter 6 Jahren sind frei. Sollten sich Besucher nur für das Hintergrundwissen (vor dem Färbe-Beet) interessieren – ohne Workshop mit Färbearbeiten -, besteht keine Anmeldepflicht. Hier liegt der Kostenbeitrag bei 4 € pro Person. Dazu gibt es Kaffee, Tee und selbstgebackenen Kuchen (gegen Spende).

In den nach Themen geordneten Beeten der Kräuterterrassen wachsen über 240 Heilpflanzen, die auf Schildern einzeln beschrieben sind. Momentan werden nach und nach QR-Codes der einzelnen Pflanzen erstellt. Wenn diese mit dem Mobiltelefon gescannt werden, erhält man weitere detaillierte Informationen zur ausgewählten Pflanze. Alle Kräuterpatinnen und der Vorstand arbeiten ehrenamtlich. Der Kräutergarten ist tagsüber jederzeit zugänglich, der Eintritt ist frei. Man kann die Kräuter sehen, riechen und auch anfassen, aber nicht mitnehmen. Über eine kleine Spende freut sich das ganze Team.